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Ebola erreicht Nigeria: 44 Kontaktpersonen einer Patientin in Abuja erfasst

Nigeria meldet den ersten Fall des aktuellen Ebola-Ausbruchs. Die Patientin kam mit einem Flug aus Uganda. Wo sie sich ansteckte, ist noch ungeklärt.

Redaktion 26news4 Min. Lesezeit
Gesundheitskräfte üben das Anlegen persönlicher Schutzausrüstung bei einer Ebola-Schulung, 2014.
Gesundheitskräfte üben das Anlegen persönlicher Schutzausrüstung bei einer Ebola-Schulung, 2014.

Nigeria hat am Dienstag, 20. Oktober, den ersten Ebola-Fall im Rahmen des aktuellen Ausbruchs bestätigt. Betroffen ist eine Frau, die mit einem internationalen Flug aus Uganda eingereist war und in der Hauptstadt Abuja behandelt wurde. Sie befindet sich inzwischen in Isolation. Die Behörden haben 44 Kontaktpersonen erfasst. Damit hat die Epidemie, die im Mai in der Demokratischen Republik Kongo begann, auch Westafrika erreicht.

Für Afrikas bevölkerungsreichstes Land kommt es nun darauf an, mögliche weitere Ansteckungen früh zu erkennen. Gesundheitsminister Muhammad Ali Pate rief sämtliche öffentlichen und privaten Gesundheitseinrichtungen zu höchster Wachsamkeit auf. Fachleute suchen nach Menschen, die der Patientin während ihrer Reise oder ihrer Behandlung nahegekommen sind. Dazu gehören medizinisches Personal, andere Patientinnen und Patienten sowie betreuende Personen.

Mehrere Tage im Spital vor der Diagnose

Die Frau entwickelte am 7. Oktober erste Symptome und wurde vier Tage später in ein Privatspital in Abuja aufgenommen. Dort wurde sie mehrere Tage behandelt, bevor die Ebola-Diagnose feststand. Laboruntersuchungen bestätigten eine Infektion mit dem Bundibugyo-Virus, das den gegenwärtigen Ausbruch verursacht. Wann genau die Patientin in Nigeria eintraf, ist nicht bekannt.

Die Zeit zwischen den ersten Symptomen und der bestätigten Diagnose ist für die Eindämmung entscheidend. Ebola wird durch direkten Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten infizierter Menschen übertragen. Auch verunreinigte Gegenstände können eine Rolle spielen. Deshalb konzentrieren sich die Ermittlungen nicht allein auf die Flugreise, sondern ebenso auf die Betreuung und Behandlung der Frau.

Die bisher erfassten 44 Kontaktpersonen sind nicht mit 44 weiteren Infektionen gleichzusetzen. Die Gesundheitsbehörden müssen klären, wer tatsächlich einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt war, und diese Menschen überwachen. Ob sich weitere Personen angesteckt haben, ist bisher nicht bestätigt.

Ungeklärt bleibt auch der Infektionsort. Ugandas Gesundheitsministerium erklärte, die Patientin sei lediglich durch Uganda gereist und habe sich zuvor geschäftlich im Osten der Demokratischen Republik Kongo aufgehalten. Nigeria hat diese Einzelheiten zur Reise nicht bestätigt. Eine Einreise aus Uganda belegt deshalb nicht, dass die Ansteckung dort erfolgte.

Vier Länder betroffen, Uganda meldet keine aktiven Fälle

Nigeria ist das vierte afrikanische Land, das im Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch Fälle gemeldet hat. Das Zentrum der Epidemie liegt weiterhin in der Demokratischen Republik Kongo. Dort wurden inzwischen mehr als 9500 Erkrankungen und mehr als 4600 Todesfälle registriert. Es handelt sich um den 17. Ebola-Ausbruch in der Geschichte des Landes und den bislang tödlichsten auf seinem Staatsgebiet.

In Kenia wurde am Dienstag der neunte Fall bestätigt. Den ersten hatte das Land am 6. Oktober gemeldet, einen Tag nach dem Tod eines Geschäftsmanns in Nairobi, der zuvor in der Demokratischen Republik Kongo gelebt hatte. Die meisten der später bestätigten Infektionen betrafen Menschen mit engem Kontakt zu ihm.

Uganda hatte zuvor 20 bestätigte Fälle und zwei Todesfälle verzeichnet. Ende August erklärte das Land seinen Ausbruch für beendet, nachdem während mehr als 42 Tagen keine neue Erkrankung festgestellt worden war. Am Dienstagabend betonte das Gesundheitsministerium erneut, es gebe derzeit keine bestätigten aktiven Ebola-Fälle im Land.

Jean Kaseya, Generaldirektor der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC, bezeichnete den Ausbruch als den geografisch ausgedehntesten in der Geschichte von Ebola. Er betrifft mittlerweile mehrere Länder in drei Regionen Afrikas. Kaseya forderte rasch verfügbare Finanzmittel, medizinische Ausrüstung, Diagnostik und qualifiziertes Personal. In der Demokratischen Republik Kongo stirbt annähernd die Hälfte der erfassten Erkrankten.

Warum die Virusart entscheidend ist

Gegen das Bundibugyo-Virus gibt es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Behandlung. Eine klinische Studie läuft. Impfstoffe und gezielte Medikamente, die gegen andere Ebola-Viren entwickelt wurden, lassen sich nicht ohne Weiteres auf diesen Erreger übertragen. Die Bezeichnung Ebola umfasst verschiedene, miteinander verwandte Viren.

Umso wichtiger sind eine rasche Diagnose, die Isolation Erkrankter, konsequente Schutzmassnahmen im Spital und die Nachverfolgung von Kontakten. Auch ohne spezifisches Medikament ist medizinische Versorgung zentral: Eine unterstützende Behandlung kann unter anderem Flüssigkeitsverluste und Störungen des Kreislaufs ausgleichen.

Nigeria verfügt über Erfahrung mit der Eindämmung von Ebola. Bereits 2014 gelang es dem Land, einen eingeschleppten Ausbruch zu stoppen. Die Regierung setzte im Juni eine Ebola-Arbeitsgruppe ein und verstärkte nach den ersten Fällen in Kenia die Überwachung. Gesundheitsminister Pate verwies auf diese Vorbereitungen und rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die erfolgreiche Eindämmung von damals ersetzt allerdings nicht die Abklärung der jetzigen Kontakte.

Was Reisende aus der Schweiz beachten sollten

Für Menschen in der Schweiz ist die Entwicklung insbesondere bei Reisen in betroffene Länder relevant. Entscheidend sind die konkrete Situation am Reiseziel und mögliche Kontakte zu Erkrankten, nicht allein die Nennung eines Landes. Ebola verbreitet sich nicht wie eine typische Atemwegsinfektion über die Luft; ein Aufenthalt im selben Land bedeutet für sich genommen keine Exposition.

Wer nach einer Reise in ein betroffenes Gebiet Fieber oder andere Krankheitssymptome entwickelt, sollte medizinischen Rat einholen und bereits vor einem Spitalbesuch telefonisch auf die Reise und mögliche Risikokontakte hinweisen. Das erleichtert eine sichere Abklärung.

In Nigeria stehen nun die weitere Ermittlung und Überwachung der Kontaktpersonen im Vordergrund. Zugleich muss geklärt werden, wo sich die Patientin infiziert hat. Erst diese Untersuchungen werden zeigen, ob der Fall in Abuja isoliert bleibt oder weitere Infektionsketten entstanden sind.

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