Musk prüft Fusion von Tesla und SpaceX: Es geht um mehr als drei Billionen Dollar
Spezielle Ausschüsse prüfen den Zusammenschluss von Autobauer und Raumfahrtkonzern. Die wirtschaftlichen Versprechen sind gross – ebenso die Fragen nach Musks Kontrolle.

Elon Musk will seine beiden wichtigsten Unternehmen möglicherweise zusammenführen: Tesla und SpaceX prüfen eine Fusion. Das bestätigte der Chef beider US-Konzerne am Dienstag, 20. Oktober, in einer Videokonferenz zu den Quartalszahlen von SpaceX. Auf Wunsch von Aktionären haben beide Unternehmen spezielle Ausschüsse eingesetzt. Eine Einigung über die Bedingungen gibt es bisher nicht.
Damit wird aus einer lange diskutierten Möglichkeit ein konkreter Prüfauftrag. SpaceX ist an der Börse derzeit mehr als 1,9 Billionen Dollar wert, Tesla rund 1,48 Billionen Dollar. Zusammen kommen die Unternehmen auf einen Börsenwert von über 3,3 Billionen Dollar. Ein Zusammenschluss in dieser Grössenordnung wäre aussergewöhnlich. Die Börsenwerte sind allerdings nicht mit einem bereits vereinbarten Transaktionspreis gleichzusetzen.
Musk befürwortet die Idee persönlich, warnt aber vor voreiligen Gewissheiten. Die Ausschüsse könnten sich auch nicht einigen. Er selbst gehört ihnen wegen möglicher Interessenkonflikte nicht an. Schliesslich führt er beide Firmen und ist auf beiden Seiten Grossaktionär.
Was Raketen und Autos verbinden soll
Auf den ersten Blick wären ein Elektroautobauer und ein Raumfahrtunternehmen ungewöhnliche Partner. Musks Begründung liegt jedoch weniger in ihren ursprünglichen Produkten als in den Technologien, auf die beide künftig setzen sollen: künstliche Intelligenz, Chips, Software und Robotik.
Tesla soll sich nach seinen Vorstellungen vom vorwiegenden Verkauf von Elektroautos hin zu selbstfahrenden Robotaxis und humanoiden Robotern entwickeln. In beiden Bereichen ist die Konkurrenz stark. SpaceX wiederum hat mit Raketenstarts begonnen, erzielt inzwischen aber vor allem mit dem Satelliteninternetdienst Starlink und KI-Rechenzentren Geschäft. Vor dem Börsengang hatte SpaceX bereits Musks KI-Unternehmen xAI übernommen.
Die wirtschaftliche Idee dahinter: Rechenleistung und KI-Infrastruktur könnten in einem gemeinsamen Konzern mit Fahrzeugen und Robotern zusammenkommen, die diese Technologien in der physischen Welt einsetzen. Ob daraus tatsächlich genügend Vorteile für einen Zusammenschluss entstehen, ist damit noch nicht beantwortet. Auch unter getrennten Firmendächern können die Unternehmen zusammenarbeiten.
Das tun sie bereits beim geplanten US-Chipwerk Terafab. Bislang wird dafür erst das Grundstück freigemacht. Ein weiteres gemeinsames Vorhaben sind Kaltgas-Raketendüsen von SpaceX für bestimmte Varianten eines neuen Tesla-Sportwagens. Musk stellt dessen Produktionsbeginn für 2028 in Aussicht. Beide Projekte zeigen die Annäherung, sind aber noch kein Beleg für den wirtschaftlichen Erfolg einer Fusion.
Für Musk geht es auch um Kontrolle
Neben der industriellen Logik steht eine Machtfrage. Bei SpaceX verfügt Musk dank Aktien mit erhöhtem Stimmgewicht bereits über die volle Kontrolle. Bei Tesla unterstützt ihn zwar häufig eine Mehrheit der Aktionäre. Seine Position ist dort jedoch nicht auf dieselbe Weise abgesichert.

Musk strebt seit Jahren eine höhere Beteiligung an Tesla an. Er machte deutlich, dass er dort keine «Roboter-Armee» aufbauen wolle, solange andere ihn vom Chefposten verdrängen könnten. Eine Zusammenführung mit SpaceX könnte ihm jene dauerhafte Kontrolle verschaffen, die er bei Tesla bisher anstrebt. Entscheidend wäre dabei die konkrete Ausgestaltung des Geschäfts.
Im vergangenen Jahr stellten ihm die Tesla-Aktionäre ein riesiges Aktienpaket in Aussicht. Dafür muss das Unternehmen allerdings anspruchsvolle Zielmarken erreichen. Bei einer Übernahme von Tesla würden diese Vorgaben hinfällig. Die Interessen des Konzernchefs und jene der übrigen Aktionäre sind deshalb nicht automatisch deckungsgleich.
Die Sonderausschüsse müssen entsprechend mehr klären als gemeinsame Technologieprojekte: insbesondere die Bedingungen eines möglichen Geschäfts und die Interessen der jeweiligen Anteilseigner. Musk verwies zudem auf eine hohe Zustimmungshürde. Mindestens 50 Prozent aller Tesla-Aktionäre müssten dem Schritt zustimmen. Seine persönliche Unterstützung allein genügt nicht.
Starke Zahlen, grosse Erwartungen
Die Fusionsprüfung fällt mit einem kräftigen Wachstumsschub bei SpaceX zusammen. Im dritten Quartal erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor hatte noch ein Verlust von gut einer Milliarde Dollar resultiert. Der Umsatz stieg von rund 5,58 auf 14,58 Milliarden Dollar. Treiber waren das Satelliteninternet und KI-Rechenzentren.
Die hohen Börsenbewertungen beider Unternehmen beruhen dennoch wesentlich auf Erwartungen an die Zukunft. Bei Tesla müssen Robotaxis und Roboter ihre wirtschaftliche Bedeutung erst entfalten. Bei SpaceX reichen die Pläne bis zu Rechenzentren in der Erdumlaufbahn, deren Machbarkeit umstritten ist.
Auch beim Ausbau des Raumfahrtgeschäfts setzt Musk ehrgeizige Ziele. Starship soll gegen Ende 2027 zweimal pro Woche starten, nach bisher 14 Testflügen. Im August hatte er noch tägliche Starts angekündigt. Die Zahl der Starlink-Satelliten soll innerhalb von drei Jahren von etwas mehr als 10 000 auf 100 000 steigen. Zwischen Ankündigung und Umsetzung bleiben damit erhebliche Schritte.
Was Schweizer Anleger beachten müssen
Für die Schweiz liegt die unmittelbare Bedeutung vor allem bei Anlegerinnen und Anlegern, die Tesla oder SpaceX direkt oder über Anlageprodukte halten. Eine Fusion würde bisher getrennte Beteiligungen in einem Konzern bündeln. Chancen aus gemeinsamen Technologien stünden einer stärkeren Konzentration auf Musks Strategie und deren Umsetzung gegenüber.
Für Schweizer Investoren kommt bei Anlagen in Dollar das Wechselkursrisiko gegenüber dem Franken hinzu. Selbst steigende Aktienkurse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres mit einem gleich hohen Gewinn in Franken gleichsetzen.
Zunächst stehen jedoch keine fertigen Fusionsbedingungen zur Beurteilung. Offen sind die Bewertung der beiden Unternehmen innerhalb eines Geschäfts, die künftige Eigentümerstruktur und der Zeitplan. Tesla legt am Mittwoch, 21. Oktober, seine eigenen Quartalszahlen vor. Sie liefern den nächsten Einblick in das laufende Geschäft des möglichen Partners. Bis die Ausschüsse Ergebnisse vorlegen, bleibt der Zusammenschluss eine gewichtige Option – kein beschlossener Deal.
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