Meillard startet als Olympiasieger – und mit Gelassenheit in den WM-Winter
Nach einer starken Saison und grossen privaten Veränderungen kehrt Loïc Meillard in Sölden in den Weltcup zurück. Zum Auftakt setzt der Walliser auf seine Erfahrung statt auf Druck.

Loïc Meillard beginnt am Sonntag, 25. Oktober, in Sölden seine Weltcupsaison 2026/2027. Der Walliser Slalom-Olympiasieger startet auf dem Rettenbachgletscher im Riesenslalom, dessen erster Lauf um 9.55 Uhr beginnt. Hinter ihm liegt ein herausragender Winter, geprägt insbesondere von seinen olympischen Erfolgen. Vor ihm steht eine Saison mit den Weltmeisterschaften in Crans-Montana. Doch zum Auftakt beschäftigt ihn zunächst etwas Unmittelbareres: Nach den Monaten der Vorbereitung will er endlich wieder Rennen fahren.
«Ja, ich freue mich darauf, mit beiden Füssen in die Saison einzusteigen», sagt Meillard. Sölden markiere den Wechsel von der Vorbereitung zum Winter. «Jetzt gilt es, im Rennen bereit zu sein.» Es ist die Vorfreude eines Athleten, der nach einer erfolgreichen Saison nicht nur zurückblicken will. Zugleich begegnet er dem ersten Kräftemessen mit der Ruhe eines erfahrenen Weltcupfahrers.
Ein Auftakt ohne überhöhte Erwartungen
Ausgerechnet Sölden war für Meillard bisher kein besonders ergiebiges Pflaster. Sein bestes Resultat auf dem österreichischen Gletscher ist ein fünfter Platz vom Oktober 2020. Wer allein seine jüngsten Erfolge zum Massstab nimmt, könnte deshalb vom ersten Rennen mehr erwarten, als der Fahrer selbst darin sehen will. Meillard macht deutlich, dass sich der Wert eines ganzen Winters nicht am Auftakt bemisst.
«Ich habe genug Erfahrung, um zu wissen: Wenn es hier nicht funktioniert, ist das auch nicht das Ende der Welt», sagt er. Danach bleibe noch Zeit zum Trainieren. Diese Einordnung ist gerade in Sölden wichtig. Das frühe Rennen liefert zwar einen ersten Vergleich mit der Konkurrenz, steht aber noch nicht für den Rhythmus, der den Weltcup später prägen wird.
Für Meillard geht es damit um einen anspruchsvollen Übergang: Die Arbeit aus dem Training soll unter Rennbedingungen greifen, ohne dass aus einem einzelnen Resultat vorschnell eine Bilanz gezogen wird. Der Olympiasieg im Slalom ändert zudem nichts daran, dass zum Saisonstart eine andere Disziplin auf dem Programm steht. Im Riesenslalom beginnt auch für einen erfolgreichen Techniker die Suche nach dem passenden Wettkampfrhythmus neu.
Zunächst zählen Riesenslalom und Slalom
Nach Sölden folgt zunächst eine längere Rennpause. Seinen zweiten Einsatz wird Meillard erst Mitte November in Levi bestreiten. Anschliessend steht der Slalom von Gurgl an, bevor sich der Kalender deutlich verdichtet. Die ersten Wochen bieten deshalb noch Raum, den Auftakt zu verarbeiten und im Training weiterzuarbeiten. Später werden Rennen und die Vorbereitung darauf enger aufeinanderfolgen.

Seine sportlichen Prioritäten hat Meillard entsprechend gesetzt. «Ich werde mich zu Saisonbeginn auf den Riesenslalom und den Slalom konzentrieren, und dann werden wir sehen, ob der Super-G zu meinem Programm dazukommt.» Ein zusätzlicher Einsatz in der schnellen Disziplin ist damit eine Möglichkeit, aber noch kein festgelegter Bestandteil seiner Planung.
Die Unterscheidung ist wesentlich. Slalom und Riesenslalom bilden vorerst den Kern seines Winters; über eine Erweiterung entscheidet er später. Meillard kündigt also kein möglichst breites Programm an, sondern lässt sich Spielraum. In einem Kalender, der nach den ersten Stationen dicht wird, bedeutet jede weitere Disziplin auch zusätzliche Anforderungen an Training und Erholung. Zunächst richtet er den Blick auf jene Rennen, mit denen seine Saison tatsächlich beginnt.
Gesund vorbereitet, privat in einer neuen Lebensphase
Die Voraussetzungen für den Start beurteilt Meillard positiv. Das Sommertrainingslager sei für ihn gut verlaufen, besser als im Vorjahr. Den entscheidenden Unterschied benennt er konkret: Diesmal hatte er keine gesundheitlichen Probleme. Damit kann er nach eigener Einschätzung auf eine Vorbereitung zurückblicken, die weniger beeinträchtigt war als jene vor seiner erfolgreichen vergangenen Saison.
Auch abseits der Piste haben sich die Rahmenbedingungen verändert. Meillard ist in den vergangenen Monaten Ehemann und Vater geworden. Vier Tage nach dem Riesenslalom von Sölden feiert er zudem seinen 30. Geburtstag. Zum sportlichen Neustart kommt damit eine neue private Lebensphase. Welche Auswirkungen sie auf seinen Rennalltag hat, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Seine Aussagen vor dem Auftakt vermitteln vor allem Zufriedenheit mit der Vorbereitung und Lust auf den Wettkampf. Eine Ergebnisgarantie verbindet er damit nicht. Gerade diese Trennung zwischen einem guten Sommer und dem noch offenen ersten Rennen zieht sich durch seine Einschätzung.
Ein Winter mit besonderer Bedeutung für die Schweiz
Für das Schweizer Publikum reicht der Blick in dieser Saison über die üblichen Weltcupstationen hinaus. Mit den Weltmeisterschaften in Crans-Montana steht ein Höhepunkt im eigenen Land bevor, für den Walliser Meillard zudem im eigenen Kanton. Seine olympischen Erfolge machen seinen weiteren Weg besonders interessant. Konkrete WM-Ziele formuliert er zum Saisonauftakt jedoch nicht.
Vorerst führt dieser Weg nach Sölden. Dort will Meillard den Wechsel vom Training ins Rennen vollziehen, ohne den ersten Auftritt mit zu viel Bedeutung aufzuladen. Danach bleiben bis Levi mehrere Wochen für die weitere Arbeit. Der grosse Rahmen dieses Winters steht fest; wie Meillard darin ankommt, zeigt sich erstmals am Sonntag auf dem Rettenbachgletscher.
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