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985 Spiele, drei Grand-Slam-Titel: Stan Wawrinka nimmt in Basel Abschied

Mit 41 Jahren beendet der Waadtländer seine Karriere vor heimischem Publikum. Er hinterlässt dem Schweizer Tennis weit mehr als die Erinnerung an seine einhändige Rückhand.

Redaktion 26news4 Min. Lesezeit
Innenaufnahme der Basler St. Jakobshalle während des ESC 2025.
Innenaufnahme der Basler St. Jakobshalle während des ESC 2025.

Stan Wawrinkas letztes Profimatch endet mit einer Niederlage, sein Abschied mit Ovationen. Der 41-jährige Waadtländer hat beim ATP-500-Turnier in Basel in der ersten Runde gegen den Tschechen Jiří Lehečka 5:7, 6:7 (2:7) verloren und damit seine Karriere nach 985 Spielen auf der ATP-Tour beendet. In der vollen St. Jakobshalle feierte das Publikum einen Spieler, der dem Schweizer Tennis drei Grand-Slam-Titel, olympisches Gold und einen Davis-Cup-Triumph beschert hat.

La-Ola-Wellen gingen durch die Halle, Wawrinka drehte zu Tina Turners «Simply the Best» eine Ehrenrunde. Dann legte er den Schläger aus der Hand. «Es war ein perfekter Abschied in der Schweiz», sagte er. Der Rahmen war lange gewählt: Bereits zu Saisonbeginn hatte Wawrinka angekündigt, dass das Basler Heimturnier seine letzte Station als Profi sein werde.

Ein letzter Auftritt ohne sportliches Geschenk

Lehečka, die Nummer 21 der Welt, liess sich vom besonderen Anlass nicht vom Siegen abhalten. Wawrinka hielt beide Sätze offen, musste den ersten aber mit 5:7 abgeben. Im zweiten erreichte er das Tiebreak, in dem sich der Tscheche mit 7:2 durchsetzte. Ein weiterer Auftritt vor dem Basler Publikum blieb dem Schweizer damit verwehrt.

Der Schlussakkord war dennoch mehr als ein frühes Ausscheiden. Schon am Montag war Wawrinka in Basel bei einer Zeremonie geehrt worden, an der auch die frühere Weltnummer eins Martina Hingis teilnahm. Nach dem letzten Ballwechsel gehörte die Bühne erneut ihm. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer stand nicht der Erstrundensieger im Mittelpunkt, sondern die Würdigung einer Laufbahn, die 2002 begonnen hatte.

Wawrinka verabschiedet sich als Nummer 151 der Weltrangliste. Diese letzte Platzierung erzählt allerdings wenig über seine Bedeutung. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war er die Nummer drei der Welt. Insgesamt gewann er 16 ATP-Titel und setzte sich dabei auch gegen jene Spieler durch, die seine Epoche prägten.

Drei grosse Titel gegen die Besten ihrer Zeit

2014 gewann Wawrinka die Australian Open, 2015 die French Open und 2016 die US Open. Drei Jahre nacheinander holte er damit einen der vier wichtigsten Titel im Tennis. Diese Erfolge gelangen in einer Zeit, in der Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic die Grand-Slam-Turniere weitgehend beherrschten und Andy Murray ebenfalls um die grössten Trophäen spielte.

Gerade diese Konkurrenz macht Wawrinkas Bilanz aussergewöhnlich. Er nutzte nicht bloss eine kurze Lücke zwischen zwei Generationen. Er gewann seine wichtigsten Titel mitten in der Ära der dominierenden Champions. Zudem gehört er zu den wenigen Spielern, die Federer, Nadal, Djokovic und Murray jeweils bei einem Grand-Slam-Turnier bezwingen konnten.

Sein sportliches Markenzeichen war die einhändige Rückhand: ein Schlag, mit dem er nicht nur verteidigen, sondern den Ballwechsel bestimmen konnte. Sie stand für ein Tennis, das auch gegen die stärksten Gegner Durchschlagskraft entwickelte. Der Spitzname «Stan the Man» begleitete einen Spieler, dessen grösste Auftritte weit über die Schweiz hinaus Beachtung fanden.

Zum besonders erfolgreichen Jahr 2014 gehörte auch der Titel beim Masters-1000-Turnier in Monte-Carlo. Wawrinkas Laufbahn lässt sich deshalb nicht allein auf drei Grand-Slam-Siege reduzieren. Seine 16 Turniererfolge zeigen, dass er auch ausserhalb der vier grossen Bühnen seinen Platz an der Spitze behauptete.

Für die Schweiz mehr als Federers Doppelpartner

Im Schweizer Tennis war Wawrinka lange untrennbar mit Federer verbunden. Gemeinsam gewannen sie 2008 in Peking Olympiagold im Doppel. 2014 gehörten beide zur Mannschaft, die den Davis Cup erstmals in die Schweiz holte. Es waren Erfolge, bei denen aus individuellen Qualitäten gemeinsame nationale Sportgeschichte wurde.

Mit seinen Grand-Slam-Titeln schuf sich Wawrinka zugleich ein eigenständiges sportliches Profil. Er war nicht nur der erfolgreiche Landsmann an Federers Seite, sondern selbst einer der wenigen Spieler, die auf den grössten Tennisbühnen gewinnen konnten. Für die Schweiz bedeutete das eine aussergewöhnliche Breite an der Weltspitze: Neben Federer gab es einen zweiten mehrfachen Grand-Slam-Sieger bei den Männern.

Dass Wawrinka seine Karriere nun im eigenen Land abschloss, gab dem Abschied deshalb besonderes Gewicht. Basel bot die Gelegenheit, nicht nur einzelne Siege zu feiern, sondern auch die Ausdauer eines Spielers, der über mehr als zwei Jahrzehnte Profi blieb.

Verletzungen, Comebacks und ein bewusst gewähltes Ende

Seinen letzten ATP-Titel gewann Wawrinka 2017 in Genf. Danach erschwerten Verletzungen den weiteren Weg. Er wurde zweimal am linken Knie und zweimal am linken Fuss operiert. Die späten Karrierejahre waren damit auch vom Versuch geprägt, wieder konkurrenzfähig zu werden.

Noch in seiner letzten Saison gelangen ihm bemerkenswerte Resultate. Im Januar erreichte er bei den Australian Open die dritte Runde, gegen Ende des Winters kehrte er kurzzeitig in die Top 100 zurück. Seit seinem 40. Geburtstag im März 2025 gewann er zwölf Matches auf der höchsten Tourstufe – ein Rekord für diese Altersgruppe seit der Gründung der ATP-Tour 1990.

Nun endet diese lange Phase des Weitermachens. Auf Basel folgt kein nächstes Profimatch mehr. Wawrinkas letzter Abend brachte keinen weiteren Sieg, aber den Abschied, den er sich ausgesucht hatte: in der Schweiz, vor vollen Rängen und mit einem Publikum, das seine gesamte Karriere feierte.

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