UBS verdient 3,6 Milliarden Dollar – doch die Kapitalfrage entscheidet sich in Bern
Die Grossbank zieht kräftig neue Kundengelder an und steht vor dem Abschluss der CS-Integration. Gleichzeitig verschärft sich die politische Auseinandersetzung um Eigenkapital, Wettbewerbsfähigkeit und Schweizer Arbeitsplätze.

Die UBS hat im dritten Quartal einen Vorsteuergewinn von 3,6 Milliarden Dollar erzielt und in ihrer globalen Vermögensverwaltung netto 55 Milliarden Dollar an neuen Vermögenswerten angezogen. Die am Mittwoch, 28. Oktober, vorgelegten Zahlen zeigen eine Grossbank, die operativ vorankommt und die Integration der Credit Suisse bis Ende Jahr abschliessen will. Über eine zentrale Frage ihrer Zukunft wird allerdings in Bern entschieden: Wie viel Eigenkapital muss die UBS künftig für ihre Auslandtöchter vorhalten?
Das Konzernergebnis belief sich auf 2,7 Milliarden Dollar, nach 2,8 Milliarden im zweiten Quartal. Der Vorsteuergewinn blieb gegenüber dem Vorquartal unverändert. An der Börse genügte das zunächst nicht für einen positiven Impuls: Die UBS-Aktie verlor am Mittwochvormittag knapp 2 Prozent.
Für die Schweiz geht es bei diesen Ergebnissen um mehr als die Rendite einer börsenkotierten Gesellschaft. Die UBS ist die grösste Bank des Landes und nach der Notübernahme der Credit Suisse noch bedeutender für den Finanzplatz geworden. Die politische Auseinandersetzung betrifft deshalb sowohl die Widerstandsfähigkeit des Instituts als auch Arbeitsplätze und die Attraktivität seines Schweizer Standorts.
Vermögensverwaltung trägt das Ergebnis
Mehr als die Hälfte des Gewinns erwirtschaftete die globale Vermögensverwaltung. Besonders hohe Zuflüsse verzeichnete die Bank in Asien und Amerika. Gerade das amerikanische Geschäft steht unter Beobachtung: In den USA waren 2025 während mehrerer aufeinanderfolgender Quartale Gelder abgeflossen. Die nun starken Zuflüsse sind für die UBS deshalb ein wichtiges Signal. Insgesamt verwaltet die Grossbank inzwischen Vermögen von 7,3 Billionen Dollar.
Weniger stark fiel die Entwicklung in der Investmentbank aus. Ihr Gewinn sank gegenüber dem zweiten Quartal um gut einen Viertel auf 838 Millionen Dollar. Damit zeigen die Zahlen auch, dass sich die einzelnen Geschäftsfelder nicht gleichmässig entwickeln. Während die Vermögensverwaltung das Ergebnis stützt, lieferte die Investmentbank einen geringeren Beitrag als zuletzt.
Für das Gesamtjahr sieht sich die UBS dennoch auf Kurs. Sie erwartet, ihre Ziele für die Rendite auf das harte Kernkapital zu übertreffen und jene für das Aufwand-Ertrags-Verhältnis zu erreichen. In den ersten neun Monaten lagen diese Kennzahlen bei 16,7 beziehungsweise 69,6 Prozent. Das Aufwand-Ertrags-Verhältnis zeigt, welcher Anteil der Erträge durch die Kosten aufgezehrt wird.
CS-Integration auf der Zielgeraden
Auch beim Zusammenführen der beiden Banken meldet die UBS Fortschritte. Der Abschluss der Integration zum Jahresende bleibt nach ihrer Einschätzung erreichbar. Fast alle zur Ablösung vorgesehenen alten Anwendungen werden nicht mehr genutzt; 90 Prozent sind bereits vollständig ausser Betrieb genommen. Damit nähert sich ein zentraler technischer Teil der Integration seinem Ende.
Die Kosteneinsparungen erreichten bis Ende September 13,2 Milliarden Dollar. Allein im dritten Quartal kamen 600 Millionen Dollar hinzu. Ursprünglich hatte sich die UBS Einsparungen von 13,5 Milliarden Dollar vorgenommen. Bis Ende Jahr sollen es nun 13,7 Milliarden werden – etwas mehr als zu Beginn geplant.
Für die Beschäftigten hat dieser Umbau eine andere Dimension. Ende 2022, vor dem Kollaps der Credit Suisse, zählten beide Banken zusammen weltweit rund 123 000 Mitarbeitende. Ende des dritten Quartals waren es bei der UBS noch 97 593. Der Personalabbau soll sich über mehrere Jahre erstrecken. Gleichzeitig holt die Bank bisher ausgelagerte Funktionen zurück ins Unternehmen.
In der Schweiz beschäftigte die UBS Ende 2023 rund 35 000 Menschen. Konzernchef Sergio Ermotti hat wiederholt angekündigt, dass die Integration hierzulande zu 3000 Entlassungen führen werde. Hinzu kommen Abgänge durch freiwillige Kündigungen und Frühpensionierungen. Diese integrationsbedingten Veränderungen sind von möglichen zusätzlichen Folgen der Kapitalregulierung zu unterscheiden.
In Bern geht es um Sicherheit und Rendite
Die UBS wehrt sich seit Monaten gegen die geplanten strengeren Eigenkapitalvorschriften des Bundesrates. Im Zentrum steht die Unterlegung ihrer Auslandtöchter. Höheres Eigenkapital dient grundsätzlich dazu, Verluste besser auffangen zu können. Für die Bank und ihre Aktionäre stellt sich zugleich die Frage, wie sich zusätzliche Anforderungen auf Rendite und internationale Wettbewerbsfähigkeit auswirken.
Am Montag erläuterte Ermotti seine Position der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrats. Bei der Präsentation der Quartalszahlen bekräftigte er, die Bank wolle sich weiterhin «konstruktiv» in die politische Diskussion einbringen.
Er formulierte die Erwartungen so: «Dabei hoffen wir auf eine Lösung im Parlament, die der Finanzstabilität des Landes zugutekommt, ohne den Aktionären, den Kundinnen und Kunden sowie den Mitarbeitenden übermässig Kosten aufzubürden und ohne die langfristige Wettbewerbsposition der UBS zu beeinträchtigen».
Standortfrage erhöht den politischen Druck
Wie weit die Auseinandersetzung reicht, hatte Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher im September in St. Gallen deutlich gemacht: «Wir wollen einen konstruktiven Kompromiss, der es uns erlaubt, in der Schweiz zu bleiben.» Ein Wegzug ist damit nicht beschlossen. Die Aussage verbindet die Kapitalfrage aber ausdrücklich mit dem künftigen Standort der Bank.
Der Schweizerische Bankpersonalverband warnte die zuständige Nationalratskommission vor möglichen Beschäftigungsfolgen. Nach seiner Einschätzung könnte ein Wegzug 10 000 bis 12 000 der derzeit rund 34 000 Schweizer UBS-Stellen kosten. Das ist ein Szenario des Verbands, keine angekündigte Abbauplanung der Bank. Zugleich bemängelte er, die Beschäftigungsfolgen eines Wegzugs seien bisher nicht untersucht worden.
Bis Ende Jahr stehen damit zwei unterschiedliche Aufgaben im Vordergrund: Die UBS will die CS-Integration abschliessen und ihre operativen Ziele erreichen. In Bern muss das Parlament einen regulatorischen Rahmen festlegen, der die Finanzstabilität stärkt. Wie dieser ausgestaltet wird, bleibt trotz der soliden Quartalszahlen die entscheidende offene Frage für die Bank und den Schweizer Finanzplatz.
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