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Öl, Gas und Rüstung: Was in Nachhaltigkeitsfonds von Schweizer Banken steckt

Eine Auswertung des Konsumentenschutzes zeigt: Fast alle untersuchten Nachhaltigkeitsfonds der grössten Schweizer Banken halten Firmen aus dem fossilen Energiesektor. Die Organisation fordert strengere Kriterien und mehr Transparenz.

Redaktion 26news4 Min. Lesezeit
Anlage zur Rohöldestillation in der Shell-Raffinerie in Montreal.
Anlage zur Rohöldestillation in der Shell-Raffinerie in Montreal.

Wer bei einer Schweizer Bank einen Nachhaltigkeitsfonds kauft, schliesst damit Investitionen in die fossile Energiebranche nicht automatisch aus. Eine Auswertung des Konsumentenschutzes zeigt, dass fast alle untersuchten Nachhaltigkeitsfonds der grössten Schweizer Banken entsprechende Unternehmen im Portfolio haben. Genannt werden Öl- und Gaskonzerne wie Shell und Totalenergies, aber auch Zulieferer. Für Anlegerinnen und Anleger stellt sich damit eine grundlegende Frage: Wie gut passt das Nachhaltigkeitsversprechen eines Fonds zu seinen tatsächlichen Anlagen?

Die Auswertung rückt eine Unterscheidung ins Zentrum, die beim Fondskauf entscheidend ist. Ein Anlageprodukt kann Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, ohne ausschliesslich Unternehmen mit besonders umweltschonenden Geschäftsmodellen zu halten. Wer mit seinem Ersparten bewusst Abstand von Öl, Gas oder Kohle nehmen möchte, kann sich deshalb nicht allein auf die Bezeichnung des Produkts verlassen.

Nicht nur Ölkonzerne stehen in der Kritik

Der Konsumentenschutz nennt Shell und Totalenergies als Beispiele für Unternehmen in den untersuchten Fonds. Beide fördern Erdöl und Erdgas. Darüber hinaus erfasst die Kritik Unternehmen, welche die fossile Energiebranche mit zentraler Technik unterstützen. Als Beispiel wird Siemens mit Gasturbinen und Digitalisierungslösungen genannt. Auch Rüstungsfirmen sind in den Fonds vertreten.

Damit betrifft die Untersuchung unterschiedliche Arten von Geschäftsbeziehungen. Ein Konzern, der selbst Öl fördert, ist anders mit fossilen Energieträgern verbunden als ein breit aufgestellter Industriebetrieb, der unter anderem Technik für diese Branche liefert. Für eine Beurteilung ist diese Unterscheidung wichtig: Sie zeigt, wie weit ein Ausschluss fossiler Aktivitäten reichen müsste, wenn auch die Zulieferkette berücksichtigt werden soll.

Besonders hervorgehoben wird der Fonds «Global Climate Equity» von Postfinance. Er hält der Auswertung zufolge 47 Unternehmen, die der Konsumentenschutz beanstandet. Eine Stellungnahme von Postfinance zu den Vorwürfen liegt noch nicht vor. Wie das Unternehmen die einzelnen Beteiligungen mit der Anlagestrategie des Fonds begründet, bleibt damit offen.

Die Zahl der Unternehmen allein sagt allerdings noch nicht, welcher Anteil des Fondsvermögens in diesen Titeln steckt. Eine kleine Position hat für die Zusammensetzung eines Portfolios ein anderes Gewicht als eine grosse. Ebenso lässt sich daraus nicht ablesen, welchen Anteil fossile Aktivitäten am Geschäft eines breit diversifizierten Unternehmens ausmachen. Für die Bewertung eines konkreten Fonds sind auch solche Grössen relevant.

Nachhaltigkeit ist nicht gleich Ausschluss

Hinter nachhaltigen Anlagen können unterschiedliche Ansätze stehen. Manche Fonds schliessen bestimmte Branchen oder Geschäftsfelder aus. Andere berücksichtigen Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien bei der Auswahl und Gewichtung ihrer Anlagen. Wieder andere wollen Unternehmen bei einer Veränderung ihres Geschäftsmodells begleiten. Solche Ansätze führen nicht zwangsläufig zu denselben Portfolios.

Ein Fonds kann beispielsweise Unternehmen innerhalb einer Branche miteinander vergleichen, statt die ganze Branche auszuschliessen. Dann können auch Titel aus einem umstrittenen Sektor im Portfolio bleiben. Das ist etwas anderes als ein Anlageprodukt, das fossile Energieträger grundsätzlich meidet. Für Kundinnen und Kunden ist entscheidend, welche dieser Logiken tatsächlich angewendet wird.

Auch der Kauf einer Aktie über einen Fonds ist nicht automatisch mit der direkten Finanzierung eines neuen Öl- oder Gasprojekts gleichzusetzen. Fonds erwerben Aktien üblicherweise an der Börse von anderen Marktteilnehmern. Dennoch beteiligen sie ihre Anleger wirtschaftlich an den jeweiligen Unternehmen. Wer eine solche Beteiligung aus ökologischen Gründen vermeiden will, braucht entsprechend klare Auswahlregeln.

Aus dem Vorhandensein eines einzelnen Titels lässt sich deshalb nicht pauschal ableiten, ob ein Fonds seine eigenen Vorgaben verletzt. Es kann aber deutlich machen, dass diese Vorgaben nicht den Erwartungen der Kundschaft entsprechen. Genau darin liegt die Bedeutung verständlicher und überprüfbarer Produktinformationen.

Konsumentenschutz verlangt strengere Regeln

Der Konsumentenschutz fordert von den Banken mehr Engagement und Transparenz. Geschäftsleiterin Sara Stalder sagt: «Die Banken müssen mehr Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft übernehmen und für Nachhaltigkeitsfonds endlich sachgerechte, strenge und transparente Kriterien anwenden.»

Die Forderung betrifft damit nicht nur die Darstellung der Produkte, sondern auch deren Inhalt. Transparenz allein macht einen Fonds noch nicht ökologischer. Sie ermöglicht jedoch, zu erkennen, welche Tätigkeiten ausgeschlossen sind, welche Ausnahmen gelten und nach welchen Massstäben Unternehmen ausgewählt werden. Strengere Kriterien würden darüber hinaus die Zusammensetzung der Anlagen verändern können.

Für den Schweizer Finanzplatz geht es dabei um die Glaubwürdigkeit eines Angebots, das ausdrücklich mit Nachhaltigkeit verbunden wird. Banken müssen erklären können, weshalb ein bestimmtes Unternehmen in einem solchen Produkt enthalten ist. Je stärker der Name eines Fonds einen Klimabezug nahelegt, desto wichtiger ist eine nachvollziehbare Verbindung zwischen diesem Anspruch und der Anlagestrategie.

Worauf Anleger jetzt achten können

Für Schweizer Sparerinnen und Sparer lohnt sich vor einem Kauf deshalb der Blick in die Anlagepolitik und die Liste der Beteiligungen. Zentral ist, ob fossile Energien ausdrücklich ausgeschlossen werden, ob Umsatzgrenzen gelten und ob auch Zulieferer erfasst sind. Ebenso wichtig ist die Frage, wie ein Fonds mit Rüstungsunternehmen umgeht.

Offen bleibt zunächst die Antwort von Postfinance auf die konkrete Kritik. Darüber hinaus steht die grundsätzliche Forderung des Konsumentenschutzes im Raum: Nachhaltigkeitsfonds sollen nach strengeren, sachgerechten und transparenten Kriterien investieren. Für die Kundschaft wäre damit vor allem eines gewonnen: eine klarere Grundlage, um das eigene Geld tatsächlich nach den eigenen Vorstellungen anzulegen.

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