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Google-Cloud-Störung trifft Revolut: Auch in der Schweiz stocken Zahlungen

Ein Stromproblem in einem Londoner Rechenzentrum hat am Dienstag mehrere Bank- und Onlinedienste beeinträchtigt. Auch Schweizer Revolut-Kunden waren betroffen. Am Nachmittag meldete Google eine weitgehende Normalisierung.

Redaktion 26news4 Min. Lesezeit
Messestand zu Google Cloud Spanner.
Messestand zu Google Cloud Spanner.

Kundinnen und Kunden von Revolut haben am Dienstag, 20. Oktober, auch in der Schweiz Schwierigkeiten mit Zahlungen, Einzahlungen und dem Wechseln von Währungen gehabt. Die Störungen begannen hierzulande kurz nach 8 Uhr. Auslöser war ein Problem mit der Stromversorgung in einem Rechenzentrum von Google Cloud bei London. Der Ausfall beeinträchtigte während Stunden Banken, Unternehmen und weitere Onlinedienste, vor allem in Grossbritannien, aber auch anderswo in Europa. Am Nachmittag waren die meisten Dienste von Google Cloud wieder im Normalbetrieb; eine vollständige Entwarnung für sämtliche betroffenen Angebote stand zunächst aus.

Revolut versicherte, dass die Gelder und Daten aller Kunden sicher seien. Das Unternehmen arbeite seit der Entdeckung am Morgen an der Behebung der Störung und entschuldigte sich bei den Betroffenen. Die Sicherheitszusage bedeutet allerdings nicht, dass alle Funktionen bereits wieder uneingeschränkt verfügbar waren.

Zahlungen, Überweisungen und Bargeldbezüge betroffen

Die britische Digitalbank meldete Einschränkungen bei mehreren zentralen Funktionen. Neben Zahlungen und dem Zugriff auf Guthaben waren auch Bargeldbezüge an Automaten, Überweisungen und das Aufladen von Karten betroffen. In der Schweiz wurden zudem Probleme beim Währungswechsel festgestellt. Nicht bekannt ist, wie viele Schweizer Kundinnen und Kunden die einzelnen Dienste tatsächlich nicht nutzen konnten.

Damit traf die Störung nicht nur eine nebensächliche Funktion der App, sondern verschiedene Wege, Geld zu bewegen oder darüber zu verfügen. Wer eine Zahlung auslösen, Geld überweisen oder eine Karte aufladen wollte, konnte auf Einschränkungen stossen. Aus den Angaben lässt sich jedoch nicht ableiten, dass sämtliche Revolut-Kunden oder alle Transaktionen gleichermassen betroffen waren.

Für die Schweizer Kundschaft ist besonders die Kombination aus Zahlungs- und Wechselproblemen relevant. Revolut verbindet diese Funktionen in einer Anwendung. Ein Ausfall kann deshalb sowohl den alltäglichen Zahlungsverkehr als auch den Umgang mit Fremdwährungen erschweren. Ob jemand Franken wechseln oder bereits vorhandenes Guthaben einsetzen wollte, machte für die Frage der Verfügbarkeit einen Unterschied: Entscheidend war, welcher Dienst gerade funktionierte.

Ein Stromproblem mit Folgen weit über London hinaus

Google führte den Ausfall auf ein Ereignis im Zusammenhang mit der Stromversorgung zurück. In seinem europäischen Rechenzentrum im Raum London kam es zu schweren Netzwerkunterbrechungen. Google Cloud stellt Unternehmen unter anderem Rechenleistung und Datenspeicher bereit. Solche Infrastruktur arbeitet im Hintergrund vieler Anwendungen, auch wenn Nutzerinnen und Nutzer unmittelbar nur die App ihrer Bank oder die Website eines Unternehmens sehen.

Die Folgen beschränkten sich deshalb nicht auf Revolut. Bei Lloyds funktionierten die App und das Onlinebanking zeitweise nicht richtig, auch HSBC-Kunden meldeten Zugangsprobleme. Zu den weiteren betroffenen Unternehmen gehörte Royal Mail. Störungsmeldungen gab es zudem beim Immobilienportal Rightmove, beim Telekommunikationsunternehmen BT und beim Paketdienst DPD.

Auch die Justiz war betroffen: In England und Wales blieb das System für Videoverbindungen bei Gerichtsverhandlungen den ganzen Vormittag blockiert. Die Störung erfasste damit sowohl private Dienstleistungen als auch öffentliche Aufgaben. Insgesamt waren Millionen Nutzer betroffen, vor allem in Grossbritannien. Diese europaweite Dimension sagt allerdings nichts darüber aus, wie gross der Ausfall in der Schweiz im Einzelnen war.

Wiederanlauf ist nicht gleich vollständige Entwarnung

Google erklärte zunächst, das zugrunde liegende Problem sei behoben und die Dienste würden schrittweise wieder verfügbar. Dabei konnten Kunden weiterhin Schwierigkeiten haben, neue Arbeitslasten anzulegen, also zusätzliche Rechenaufgaben oder Anwendungen in der Cloud zu starten. Für die vollständige Wiederherstellung bestehender Arbeitslasten hatte Google zunächst den Nachmittag als ungefähren Zeitpunkt genannt.

Später teilte das Unternehmen mit, die meisten Aktivitäten seien wieder normal möglich. Auch Lloyds erklärte am Nachmittag, die grundlegenden Probleme seien gelöst; die Bank erwartete eine baldige Rückkehr aller Dienste zum Normalbetrieb. Eine entsprechende Bestätigung für sämtliche Revolut-Funktionen lag zunächst nicht vor.

Diese Unterscheidung ist für Bankkunden wichtig. Wenn die technische Infrastruktur wieder läuft, müssen darauf aufbauende Anwendungen nicht im selben Moment vollständig verfügbar sein. Die Behebung der Ursache und die Rückkehr jeder einzelnen Funktion sind unterschiedliche Schritte. Aus der Meldung von Google allein lässt sich deshalb nicht schliessen, dass Zahlungen, Überweisungen und Währungswechsel überall bereits wieder reibungslos klappten.

Die Abhängigkeit von wenigen Cloud-Anbietern

Der Ausfall zeigt, wie eng digitale Dienstleistungen über Landesgrenzen hinweg verbunden sind. Schweizer Kunden können von einem technischen Problem in London betroffen sein, obwohl sie ihre Bankgeschäfte von der Schweiz aus erledigen. Für sie ist nicht allein entscheidend, wo ein Finanzdienstleister seinen Sitz hat, sondern auch, auf welcher Infrastruktur dessen Angebot beruht.

In Grossbritannien nahm die Regierung Kontakt mit Google auf. Auch die Finanzaufsicht Financial Conduct Authority verlangte weitere Informationen. Im Mittelpunkt steht damit neben der Wiederherstellung der Dienste die Frage, wie widerstandsfähig Unternehmen und Institutionen gegenüber Störungen bei grossen Cloud-Anbietern sind. Die Nutzung gemeinsamer Infrastruktur kann dazu führen, dass ein einzelner technischer Zwischenfall zahlreiche Angebote gleichzeitig beeinträchtigt.

Google kündigte für die kommenden Tage einen vollständigen Bericht zum Vorfall an. Dieser soll die technischen Hintergründe genauer erklären. Für die betroffenen Schweizer Revolut-Kunden bleibt zunächst die praktische Frage entscheidend, wann alle Funktionen wieder zuverlässig verfügbar sind. Die Zusicherung, dass Geld und Daten sicher seien, beantwortet die Sicherheitsfrage aus Sicht der Bank – nicht aber jene nach der vollständigen Wiederherstellung des Betriebs.

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