26news – Schweiz · Suisse · Svizzera · Switzerland

Einzug ins Koch-Quartier verschoben: Rund 300 Menschen brauchen eine Zwischenlösung

90 Wohnungen im Zürcher Koch-Quartier werden nicht rechtzeitig fertig. Die Verzögerung beträgt je nach Haus bis zu zwölf Wochen. Kraftwerk 1 organisiert Übergangswohnungen und will angemessene Mehrkosten übernehmen.

Redaktion 26news4 Min. Lesezeit
Blick auf die Zürcher Innenstadt mit Grossmünster und Limmat, im Hintergrund die Alpen.
Blick auf die Zürcher Innenstadt mit Grossmünster und Limmat, im Hintergrund die Alpen.

Rund 300 Menschen können ihre neuen Wohnungen im Zürcher Koch-Quartier nicht wie geplant beziehen. Die ersten Einzüge waren für Ende Oktober vorgesehen, doch Lieferverzögerungen verhindern den rechtzeitigen Abschluss der Bauarbeiten. Betroffen sind 90 Wohnungen der Genossenschaft Kraftwerk 1. Für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner müssen nun kurzfristig Übergangslösungen gefunden werden – teilweise für mehrere Wochen, teilweise für bis zu drei Monate.

Die Nachricht erreichte die Mietparteien zwei Wochen vor den ersten vorgesehenen Einzügen. Damit bleibt jenen, die ihre bisherige Wohnung auf diesen Zeitpunkt hin verlassen müssen, wenig Spielraum. Kraftwerk 1 hilft bei der Suche nach einer vorübergehenden Unterkunft und hat dafür auch andere Genossenschaften einbezogen. Noch ist allerdings nicht für alle Betroffenen eine Lösung ausgewiesen.

Fehlende Bauteile verhindern den Bezug

Hinter der Verschiebung stehen Lieferschwierigkeiten bei wichtigen Teilen. Das Problem betrifft insbesondere die Treppenhäuser: Sie können unter diesen Umständen die Sicherheitsvorgaben nicht erfüllen. Damit geht es nicht bloss um letzte Arbeiten, die sich nach einem Einzug erledigen liessen. Solange die erforderliche Sicherheit nicht gewährleistet ist, können die betroffenen Wohnungen nicht bezogen werden.

Die Verzögerung fällt je nach Gebäude unterschiedlich aus. Bei den Häusern 50 und 52 verschiebt sich der Bezug um rund sechs Wochen. Für Haus 54 müssen die künftigen Mietparteien mit rund zehn bis zwölf Wochen rechnen. Beim Haus 56 ist derzeit keine Verschiebung vorgesehen. Das bedeutet: Nicht alle Haushalte im Neubauprojekt stehen vor derselben Situation, und nicht alle benötigen gleich lange eine Ersatzunterkunft.

Der Einzug ins Koch-Quartier war von Anfang an gestaffelt geplant. Mietparteien mit einem späteren Bezugstermin dürften deshalb von den aktuellen Verzögerungen nicht betroffen sein. Eine Entwarnung für sämtliche weiteren Termine ist damit aber nicht verbunden: Die Angaben beschreiben den derzeitigen Planungsstand. Entscheidend bleibt, wann die fehlenden Teile verfügbar sind und die Arbeiten abgeschlossen werden können.

Eine neue Unterkunft für wenige Wochen

Für die Betroffenen ist die Verschiebung vor allem ein organisatorisches Problem mit engem Zeitfenster. Ein Wohnungswechsel lässt sich nicht allein dadurch verschieben, dass am neuen Ort ein späterer Termin festgelegt wird. Wer die bisherige Wohnung abgeben muss, braucht für die Zeit dazwischen ein Dach über dem Kopf. Hinzu kommt die Frage, wie der bereits geplante Umzug an die neue Situation angepasst werden kann.

Kraftwerk 1 will die passenden Lösungen in persönlichen Gesprächen mit den Mietparteien finden. Bei 20 Mietenden gelang es bereits, die Verträge mit den bisherigen Vermietern zu verlängern. Weitere Verlängerungen sind in Abklärung. Für diese Personen könnte der Verbleib in der alten Wohnung einen zusätzlichen Wohnungswechsel vermeiden. Ob das möglich ist, hängt jedoch jeweils auch von der bisherigen Vermieterschaft ab.

Andere Betroffene können vorübergehend bei Freunden oder Angehörigen unterkommen. Solche privaten Möglichkeiten helfen, die unmittelbare Lücke zu schliessen. Sie sind aber nicht für jeden Haushalt verfügbar und lassen sich auch nicht ohne Weiteres für jede Dauer organisieren. Gerade der Unterschied zwischen sechs und zwölf Wochen ist für die Planung einer Zwischenlösung erheblich.

Genossenschaften stellen Wohnungen bereit

Die Suche beschränkt sich deshalb nicht auf das private Umfeld der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner. Ein Aufruf von Kraftwerk 1 an die eigenen Mitglieder hat bisher 14 brauchbare Lösungen ergeben. Zusätzlich stellen befreundete Genossenschaften 60 Wohnungen zur temporären Nutzung zur Verfügung. Damit gibt es ein grösseres Angebot an Übergangsunterkünften, das nun mit dem Bedarf der betroffenen Haushalte zusammengebracht werden muss.

Aus diesen Zahlen lässt sich allerdings nicht ableiten, dass die Unterbringung bereits für alle rund 300 Personen gesichert wäre. Die Angaben beziehen sich auf unterschiedliche Grössen: auf einzelne Mietende, auf Wohnungen und auf weitere Lösungen. Zudem müssen Verfügbarkeit und benötigte Aufenthaltsdauer zusammenpassen. Die persönlichen Abklärungen bleiben deshalb zentral, auch wenn die angebotenen Wohnungen die Suche deutlich erleichtern können.

Für Zürich zeigt der Fall, wie wichtig bei einer solchen Verzögerung die Zusammenarbeit zwischen Wohnbaugenossenschaften sein kann. Die bereitgestellten Wohnungen sind als vorübergehende Unterkünfte gedacht. Für die Betroffenen entscheidet sich ihr Nutzen daran, ob sie die Zeit bis zum tatsächlichen Einzug zuverlässig überbrücken können.

Mehrkosten werden unter Bedingungen übernommen

Kraftwerk 1 erklärt, die Mietenden so rasch wie möglich informiert zu haben. Für jene mit einem unmittelbar bevorstehenden Umzug ändert das nichts am Zeitdruck. Im Vordergrund steht nun, für jeden betroffenen Haushalt eine tragfähige Vereinbarung zu finden: entweder länger in der bisherigen Wohnung zu bleiben oder vorübergehend anderswo unterzukommen.

Mehrkosten, die durch die Zwischenlösungen entstehen, will die Genossenschaft übernehmen, sofern sie verhältnismässig und angemessen ausfallen. Eine uneingeschränkte Zusage für sämtliche zusätzlichen Ausgaben ist das nicht. Welche Kosten im Einzelfall darunterfallen, wird deshalb Teil der weiteren Abklärungen sein.

Parallel muss der Bau so weit fertiggestellt werden, dass die Sicherheitsvorgaben erfüllt sind. Für die Mietparteien zählen nun zwei Dinge: eine gesicherte Unterkunft für die Übergangszeit und ein verlässlicher neuer Bezugstermin. Bis dahin bleibt der geplante Start im Koch-Quartier für rund 300 Menschen aufgeschoben.

Das könnte Sie auch interessieren