Regine Sauter tritt 2027 nicht mehr an – die Zürcher FDP steht vor einem Umbruch
Die Zürcher Nationalrätin verzichtet auf eine weitere Kandidatur. Bis zum Abschied will sie bei den Bilateralen III und der AHV vorankommen. Danach warten neue Aufgaben, auch im Bergell.

Die Zürcher FDP-Nationalrätin Regine Sauter wird bei den eidgenössischen Wahlen im Herbst 2027 nicht mehr antreten. Ihren Entscheid gibt die Wirtschaftspolitikerin in einem persönlichen Schreiben bekannt. Nach dann zwölf Jahren im Nationalrat will sie Platz für die nächste Politikergeneration machen. Für die Zürcher FDP bedeutet ihr Rückzug einen weiteren personellen Einschnitt: Auch Hans-Peter Portmann hat bereits angekündigt, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten.
Sauter schreibt, sie habe ihren Entscheid «nach reiflicher Überlegung» getroffen. Die Rahmenbedingungen der Schweiz mitzugestalten, habe sie stets als Privileg empfunden. Sie habe diese Aufgabe «mit grossem Respekt und viel Freude» wahrgenommen. Der angekündigte Abschied ist allerdings kein sofortiger Rücktritt: Bis zum Ende der Legislatur will sie ihre parlamentarische Arbeit fortsetzen und mehrere grosse Dossiers voranbringen.
Zum Abschluss stehen Europa und die AHV im Zentrum
Für ihr letztes Jahr im Bundeshaus setzt Sauter klare Schwerpunkte. Sie will sich «mit voller Energie» für einen positiven Abschluss der Bilateralen III und für die Reform der AHV einsetzen. Als Präsidentin der nationalrätlichen Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit möchte sie zudem möglichst viele hängige Geschäfte noch in dieser Legislatur abschliessen.
Damit stehen zum Ende ihrer parlamentarischen Laufbahn Themen im Vordergrund, die weit über den Kanton Zürich hinausreichen. Die Beziehungen zur Europäischen Union betreffen die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Nachbarländern und den Zugang zum europäischen Markt. Die AHV wiederum ist für die finanzielle Absicherung im Alter zentral. Bei beiden Dossiers geht es um langfristige Rahmenbedingungen für Bevölkerung und Wirtschaft.
Sauter verbindet diese Themen mit einem Profil, das ihre politische Arbeit seit Jahren prägt: einer liberalen Wirtschaftsordnung, einer offenen Aussenpolitik und einem starken Forschungsstandort. Die Zürcher FDP würdigt ihren Einsatz für weniger Bürokratie, Innovation und tragfähige Bedingungen für Schweizer Unternehmen. Die Partei bedauert ihren Entscheid und dankt ihr für den «grossen und unermüdlichen Einsatz für die liberale Politik».
Parteipräsident Filippo Leutenegger sagt: «Regine Sauter verknüpft liberale Grundwerte mit grosser Dossierkenntnis. Egal ob in der Gesundheitspolitik oder beim Wirtschaftsstandort Zürich: Sie sucht stets nach tragfähigen Lösungen.»
Von der Zürcher Politik ins Bundeshaus
Sauters parlamentarische Laufbahn begann im Zürcher Kantonsrat, dem sie von 2004 bis 2015 angehörte. Im Herbst 2015 wählten sie die Zürcher Stimmberechtigten in den Nationalrat. Bei den Wahlen 2027 wird sie damit auf insgesamt mehr als zwei Jahrzehnte in kantonalen und eidgenössischen Parlamenten zurückblicken können.
Geboren wurde Sauter 1966 in Schaffhausen, aufgewachsen ist sie in Flurlingen im Zürcher Weinland. Sie studierte Staatswissenschaften an der Universität St. Gallen und promovierte 1995 mit einer Arbeit zum Datenschutz. Neben ihren politischen Mandaten übernahm sie wichtige Funktionen in Wirtschafts- und Gesundheitsorganisationen.
Von 2012 bis Ende 2023 leitete sie als Direktorin die Zürcher Handelskammer. Seit 2023 präsidiert sie den Spitalverband H+. Wirtschaft und Gesundheit waren damit nicht nur parlamentarische Arbeitsfelder, sondern auch Schwerpunkte ihrer Tätigkeit ausserhalb des Bundeshauses.
2018 wurde ihr Name sogar im Zusammenhang mit einer Bundesratskandidatur genannt. Nach dem angekündigten Rückzug von Johann Schneider-Ammann aus der Landesregierung verzichtete Sauter jedoch auf eine Kandidatur. Stattdessen unterstützte sie Karin Keller-Sutter, die anschliessend gewählt wurde.
Die Ständeratswahl blieb der grosse Rückschlag
Den grössten Rückschlag ihrer politischen Karriere erlebte Sauter bei den Wahlen 2023. Nach dem Rücktritt von Ruedi Noser trat sie für die FDP an, um den Zürcher Ständeratssitz zu verteidigen. Im ersten Wahlgang erreichte sie mit rund 120 000 Stimmen den dritten Platz, hinter dem direkt gewählten Daniel Jositsch und dem SVP-Kandidaten Gregor Rutz.
Für den zweiten Wahlgang zog Sauter ihre Kandidatur zurück. Den Sitz gewann schliesslich die damalige GLP-Nationalrätin Tiana Moser. Damit endete eine rund vierzigjährige Ära, in der der Zürcher Freisinn im Ständerat vertreten gewesen war. Sauter selbst gelang gleichzeitig die Wiederwahl in den Nationalrat, wo sie ihre Arbeit fortsetzte.
Ihr nun angekündigter Abschied verstärkt die personellen Veränderungen in der fünfköpfigen Zürcher FDP-Nationalratsdelegation. Mit ihr und Portmann werden zwei Bisherige 2027 nicht mehr kandidieren. Eine weitere Vakanz könnte entstehen, falls Andri Silberschmidt im Frühjahr in den Zürcher Regierungsrat gewählt wird. Die beiden übrigen bisherigen Mitglieder der Delegation sind Beat Walti und Bettina Balmer.
Für die Kantonalpartei geht es deshalb bei den nächsten Wahlen nicht allein um die Verteidigung ihrer Sitze. Sie muss auch mehrere langjährige politische Profile ersetzen. Wie weit der personelle Wechsel reicht, hängt unter anderem vom Ausgang der Regierungsratswahl ab.
Eine neue Aufgabe im Bergell
Sauter selbst richtet den Blick bereits auf neue Projekte. Im Frühling 2027 übernimmt sie das Präsidium der Stiftung Garbald. Diese setzt sich für den Erhalt der Villa Garbald im Bündner Bergell ein, des einzigen Bauwerks von Gottfried Semper südlich der Alpen. In der Villa unterhält die Stiftung ein Zentrum für wissenschaftliche und kulturelle Begegnungen.
Die neue Aufgabe führt Sauter damit aus der Zürcher Wirtschafts- und Bundespolitik in einen anderen institutionellen Rahmen. Zunächst laufen beide Tätigkeiten nebeneinander: Das Stiftungspräsidium beginnt im Frühling, ihre letzte Legislatur endet erst nach den eidgenössischen Wahlen im Herbst 2027. Bis dahin will sie ihren politischen Abschied mit konkreten Fortschritten in den noch offenen Dossiers verbinden.
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